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Sergeij Duvanov, freier Journalist in Kasachstan - Preisträger 2004

 

FREIMUT DUVE, EHEM. MEDIENBEAUFTRAGTER DER OSZE

Laudatio auf Sergeij Duvanov

Ich freue mich sehr, dass ein Journalist aus dem größten Land Zentralasiens heute den Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit erhält. Denn mit ihm werden alle die engagierten Journalisten einer Region geehrt, die noch dramatischer als andere postkommunistische Staaten in einer tiefen Zukunftskrise stecken.

Wir erleben das Aufbegehren der demokratischen Kräfte in der Ukraine; unsere Öffentlichkeit aber weiß wenig über den sehr schwierigen Prozess in Kasachstan.

Sergeij Duvanov hat seine kritische Rolle immer auf zweifache Weise verstanden; er hat intensiv immer wieder versucht, journalistisch die freie Meinung durchzusetzen. Je stärker man versucht hat, ihn daran zu hindern, umso deutlicher ist es ihm aber auch gelungen, seine grundsätzliche Kritik an den vielfältigen Methoden der Einschränkungen klar und deutlich öffentlich zu artikulieren.

Im September 2002 war er zur vierten Jahrestagung meines OSCE-Amtes mit etwa 120 anderen Journalisten aus allen zentralasiatischen Staaten nach Taschkent in Usbekistan gekommen. Duvanov hielt eine kurze, aber sehr deutliche Rede über die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Er machte diese Einschränkungen deutlich und klar vor allen Augen, Ohren und Kameras, auch vor den eingeladenen Regierungsvertretern. Es war -- in meiner Erinnerung -- der klarste und mutigste der vielen guten Beiträge.

Nie nahm Duvanov das Blatt vor den Mund, sondern schrieb seine Meinung auf das Blatt für die Publikation. So auch in Taschkent, wo etwa die tapferen jungen Journalisten aus Turkmenistan, die körperliche Misshandlungen hatten erdulden müssen, mich baten, die Kameraleute aus dem Saal zu bitten und ihre Namen nicht zu nennen. Denn sie leben nicht in einer gespielten Demokratie, sondern in einer totalitären Diktatur.

Nach seiner Rückkehr erfolgte auf die Rede Duvanovs eine sehr schmutzige Kampagne seitens des Staates. Er hatte zuvor schon für Artikel sehr viele Angriffe erdulden müssen: Artikel, in denen er immer wieder die zentrale Anklage herausstellt, nämlich die der von den Regierenden getragenen und organisierten Korruption. So hatte er den Präsidenten der Korruption bezichtigt, und es wurde ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Schon Monate zuvor, im August 2002, ist er wegen eines Artikels zusammengeschlagen worden.

Ich freue mich sehr, dass er heute unter uns weilt. Vor 14 Tagen hat er in Almaty eine sehr klare und deutliche Rede gehalten über die strukturellen Probleme der Selbstzensur, wenn die meisten freien Publikationschancen genommen sind.

Nach Jahren im Gefängnis war dies wieder eine sehr deutliche und klare Analyse der Probleme, vor denen sein Land und die kommenden Generationen stehen.

Die Aufdeckung von Korruption gehört zu den zentralen Aufgaben eines mutigen Journalismus, ihre raffinierte Verdeckung zur großen Gefahr aller Markt-orientierten Volkswirtschaften. Daran arbeiten tapfere Journalisten, Frauen wie Männer, in allen Ländern -- auch bei uns; mein OSCE-Amt hat immer wieder versucht, dies deutlich werden zu lassen.

Dass die Marktwirtschaft nicht in eine Mafia-Wirtschaft abrutscht und dass die Freiheitshoffnung -- vor allem der jüngeren Generationen -- nicht zunichte gemacht wird, ist unser aller Aufgabe -- auch im 21. Jahrhundert.

Mein Appell gerade an die deutschen Unternehmen, die sehr erfolgreich in Zentralasien tätig sind, mahnt die Realisierung der Grundprinzipien der Freiheit vor allem da an, wo sie auf der Schmuckbühne der Regierungsöffentlichkeit wie eine Monstranz plakatiert werden.
Journalisten sind es, die immer wieder die Augen und die Ohren offen halten für die Wahrheit. Zu ihnen gehört unser Preisträger Sergeij Duvanov.

Mein Dank an die Palm-Stiftung und an die Familie, die diesen Prinzipien treu geblieben ist, seit Generationen!