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Pap Saine für die Tageszeitung „The Point“ in Gambia - Preisträger 2006

 

CHRISTOPH LINK, STUTTGARTER ZEITUNG, LANGJÄHRIGER AFRIKAKORRESPONDENT

Laudatio auf Pap Saine und die Tageszeitung „The Point“, Gambia



Ehre für einen mutigen Journalisten

Sehr verehrte Damen und Herren,

Presse in Afrika 
Bevor ich auf Pap Saine zu sprechen komme, erlauben Sie mir einige Anmerkungen zur  Presse in Afrika. Als Journalist im sicheren Deutschland schaue ich mit Respekt, Bewunderung und gar Neid auf unsere afrikanischen Kollegen. Ich war fünf Jahre lang Afrikakorrespondent mit Sitz in Nairobi, und ich habe erlebt, welche immensen Wirkungen in afrikanischen Staaten eine freie Presse entfalten kann. In sich anbahnenden Demokratien oder Halbdiktaturen sind Zeitungen eine Art Lebenselixier der zivilen Gesellschaft. Ein bisschen neidisch kann man darüber sein, wie begeistert die Leserschaften in Afrika die Presse wahrnehmen. Ich kann am besten über Kenia sprechen, aber ich glaube, dass manche Zustände dort exemplarisch sind für viele Länder Schwarzafrikas. Sie finden hier selbst in den Kleinstädten oder Dörfern, wie sich Trauben von Menschen regelrecht um die Zeitungskioske drängen, wenn der frische Andruck morgens oder mittags angeliefert worden ist. Wer sich die 25 oder 50 Cent für ein Druckexemplar der örtlichen Zeitungen nicht leisten kann, der liest umsonst zumindest die erste Seite am Kiosk mit. Auf Politikern in Afrika lasten hohe Erwartungen, das politische Geschehen ist essentiell für die Bevölkerungen. Bei uns in Deutschland wird um 2 oder 2,5 Prozentpunkte für die Arbeitslosenversicherung gerungen, in den subsaharischen Staaten aber geht es vielfach noch um den Staatsaufbau. Es geht um den elementaren Straßenbau, um  den Schulbau, um die drückenden Schulgebühren, um extrem hohe Kriminalität, um die Verslumung der Städte, um die Tatsache, dass immer noch Kinder sterben, weil deren Eltern ein paar Cents fehlen, um sich ein Antibiotikum oder ein fiebersenkendes Medikament zu kaufen. Politiker haben hier Aufgaben zu erfüllen. (Die Tatsache, dass im Land unseres Preisträgers Pap Saine die Bevölkerung auf ein Jahres-Prokopf-Einkommen von 232 Euro im Jahr kommt, spricht für sich.)

Dabei ist es die Presse und es sind auch private Fernsehsender, die in Afrika der Motor für Entwicklungen sind. Die Medien sind es, die die Politiker bedrängen, die Impulse geben und die die parlamentarischen oder scheinparlamentarischen Systeme kontrollieren. Es ist die Presse, die den Sinn von teuren Dienstwagen für afrikanische Abgeordnete anzweifelt; sie hakt nach, wenn mit chinesischen Investoren Verträge über die Ausbeutung von Rohstoffen geschlossen werden, über das Edelholz im Kongo oder das Öl des Sudan; es sind die Medien, die bohrende Fragen stellen nach der „Vetterleswirtschaft“ und warum eine Straße nicht gebaut wird, obwohl sie längst aus Steuermitteln bezahlt worden ist.

Ich habe in vielen Staaten Afrikas eine schonungslose und mutige Offenheit der Presse erlebt, die Missstände anprangert, ohne dass sich allerdings sofort etwas ändert. Ich erinnere mich an einen erstaunlichen Artikel in einer kleinen Zeitung im hochkorrupten Ölförderstaat Tschad, in der die Autorin offenherzig einen Artikel über den Präsidenten  mit den Worten begann, es sei ja bekannt, dass der tschadische Präsident Idriss Deby mit 14 Jahren seinen ersten Menschen ermordet habe. Ich denke mit Bewunderung an die kenianische Zeitung „Daily Nation“, die über Jahre hinweg korrupte Entwicklungen (erst unter Arap Moi, dann unter Mwai Kibaki) aufdeckte, die als erste berichtete, welche Schmiergeldzahlungen an die Richter des Landes gängig sind. Für einen Freispruch: 100 Euro für einen Diebstahl, 1000 Euro für einen Mord. Ich erinnere mich an die muntere Offenheit der nigerianische Zeitung „Peoples Daily“, die sich mit beißendem Spott lustig machte über eine  Kampagne der Regierung, mit der das Image Nigerias verbessert werden sollte: In Nigeria gebe es keinen Strom, kein verlässliches Handynetz, keine Sicherheit, keine medizinische Versorgung, aber eine extreme Kriminalität und Korruption. Der Artikel endete mit der Feststellung, das Image Nigerias sei irreparabel, und schloss mit dem Satz: „Wir sind 120 Millionen in Nigeria. Und wir wollen doch alle nur eins: Raus aus diesem Land!“ Genauso erfrischend sind dieser Tage in der nigerianischen Zeitung „The Guardian“, der „Wächter“, die warnenden Kommentare eines Reuben Abati, der vor der Möglichkeit warnt, dass der frühere Juntaführer Babangida zurück an die Macht strebt, und der Babangida warnt: Falls er es wirklich wage, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, dann würden die seit 20 Jahren ruhenden Geister von Nigerias düsterer Vergangenheit geweckt und man werde ihn zur Rechenschaft ziehen für frühere Verbrechen.

Ich erinnere mich gerne an die kleine Zeitung „Umuseso“ – zu Deutsch „die Morgenröte“, die einzige unabhängige Zeitung von Ruanda. Auch „Umuseso“ arbeitet wie „The Point“ ständig unter dem Druck der Polizei und der Armee. Sie wagt es, gegen die Übergriffe der Sicherheitskräfte anzuschreiben, und sie rüttelt an der offiziellen Staatsdoktrin, wonach es nach dem Völkermord von 1994 nur noch Ruander, aber keine Hutu und Tutsi mehr gebe. Eine Doktrin, die mit der Lebenswirklichkeit in Ruanda wenig gemein hat. Man erinnere sich: die Hutu waren das Tätervolk beim Völkermord, die Tutsi die Opfer. Heute aber dominieren die Tutsi das Land, regieren mit harter Hand, und die Hutu sind die schweigende Mehrheit, die die Wut und Aggressionen in sich hineinfrisst. „Umuseso“s niedrige Redaktionsstube ist in der ruandischen Hauptstadt Kigali in einem Hinterhof; am späten Nachmittag strömen die Zeitungsjungen herein, die Remittenden im Arm, sie blättern den Redakteuren die Tageseinnahmen bar auf die Hand; täglich werden 5000 Exemplare verkauft, – eine ähnlich hohe Auflage wie bei Pap Saines Zeitung „The Point“ – vom Erlös leben elf Journalisten. Das ist kritischer Graswurzeljournalismus in Afrika, man schreibt, man lebt von den Tageseinnahmen des Straßenverkaufs, aber jeden Tag können Behörden die Redaktion schließen.

(Und ich erinnere mich an meinen liberianischen Stringer John, der ein kleines Blättchen hektographierte. Eines Tages wurde er auf dem Nachhauseweg in Monrovia brutal von Kriminellen zusammengeschlagen und ausgeraubt. Er ging daraufhin ins Krankenhaus, ließ sich bandagieren, von Kollegen fotografieren und schrieb dann als Aufmacher seine eigene Geschichte: „Steigende Kriminalität in Monrovia – brutaler Überfall auf Reporter – Journalistenverband empört“.)  

(Schließlich erinnere ich mich an Alfred Taban, den kritischsten Journalisten in Khartum, der einmal Vertreter von chinesischen Unternehmen fragte, warum sie immer nur in den Regierungsblättern die Anzeigen schalteten und nie in seinem kritischen und freien „Khartoum Monitor“. Die Chinesen, hat Taban mir einmal erzählt, taten einfach so, als ob sie seine Frage nicht verstanden hätten.)
(Oder ich erinnere mich an die kongolesische Zeitung „Le Phare“ mit ihrem wunderbar blumigen Französisch – eine genussreiche Lektüre!)

Pap Saine und „The Point“
Pap Saine gehört zu den mutigen Journalisten Afrikas. Er stammt aus dem kleinen, politisch unbedeutenden, vom Senegal umschlossenen Gambia. Das Land lebt von der Erdnussproduktion, von Fisch und von 80 Kilometer Sandstrand und dem Tourismus. Gambia wird außerhalb der Region  kaum wahrgenommen, es hat keine spektakulären Kriege erlebt, es war nie in den Schlagzeilen. Ich selbst erinnere mich an einen einzigen Artikel über Gambia: ein Engländer fuhr nach Afrika mit einem Trabbi, er kam bis Gambia. Was in Gambia geschieht, entzieht sich weitgehend der Weltöffentlichkeit. Pap Saine hat 1991 gemeinsam mit dem für seine kritische Haltung berühmten Journalisten Deyda Hydara die unabhängige Zeitung „The Point“ gegründet. Pap Saine hat immer mit den schwierigen Bedingungen des Zeitungmachens unter dem selbstherrlichen Regime von Präsident Yahya Jammeh gelebt, der die Pressegesetze so verschärft hat, dass Journalisten wegen Verleumdung oder Aufwiegelung zu Gefängnisstrafen verurteilt werden können.  Pap Saine hat in einem entscheidenden Moment seines Berufslebens große Standhaftigkeit bewiesen. Es war im Dezember 2004. Sein  Freund und Kollege Deyda Hydara war am 16. Dezember unterwegs im Auto und nahe einer Polizeikaserne kaltblütig erschossen worden. Bis heute ist die Tat nicht aufgeklärt worden, aber es gibt Vermutungen, dass Sympathisanten oder gar Sicherheitskräfte des Regimes von Yahya Jammeh den Mord zu verantworten haben. Hydara war dem Regime ein Dorn im Auge, seine kritische Kolumne „Good Morning, Mr. President“ tangierte direkt das Staatsoberhaupt. Der Mord an Hydara geschah unweit einer Polizeibaracke, bis heute haben die staatlichen Stellen wenig zu seiner Aufklärung leisten können. Pap Saine hätte damals, zu diesem kritischen Zeitpunkt aufhören können; er hätte ins Exil nach Senegal gehen können. Können Sie sich vorstellen, eine kritische Zeitung weiterzuführen, kurz nachdem der kritische Kopf des Blattes offenbar wegen des Auslotens der geistigen Freiheit ermordet worden ist? Ich selbst muss sagen, ich weiß nicht, ob ich das Zeug dazu hätte. Pap Saine ist verheiratet und hat fünf Kinder, seine Familie hat ihn damals bedrängt: Er möge „The Point“ aufgeben, es sei zu gefährlich. „Meine Familie hatte Recht“, hat Pap Saine einmal der Journalistenvereinigung „Reporter ohne Grenzen“ anvertraut. „Journalismus in Gambia birgt ein hohes Berufsrisiko“, sagt Pap Saine. „Sie können dich ruinieren, indem sie alle möglichen Steuern erheben, auf Gehälter, Mieten oder Gewinne. Sie können dein Haus in Brand stecken, sie können dich töten. Aber ich muss weitermachen, ich bin es meinem Land schuldig.“

Auch wir deutsche Journalisten kennen dieses Gefühl der Aufgeregtheit, der Angst, der Nervosität, wenn wir etwas Brisantes enthüllt haben, wenn am nächsten Morgen Reaktionen zu befürchten sind: Vom Beschriebenen, der sich vielleicht anwaltlich wehren will, der eine Gegendarstellung will oder auf Unterlassung klagt, oder Reaktionen  des Staatsanwalts, wenn wir eine Quelle anzapften, die vielleicht ein dienstliches Geheimnis ausgeplaudert hat.

Aber all diese deutschen Ängste haben nichts mit dem zu tun, was kritische Journalisten in undemokratischen Staaten wie Gambia zu erdulden haben. Sie müssen täglich damit rechnen, verhaftet, verhört, bedrängt zu werden.

Gambia gehört zu den sechs afrikanischen Staaten, die als „Hot spots“ einer unterdrückten Presse gelten. Welch Geistes Kind der Präsident des Landes ist, das hat er schon kurz nach seinem unblutigen Putsch 1994 verraten. Amnesty International berichtete, wie Jammeh auf einer Versammlung seiner Partei eine Attacke auf jene Menschen ritt, die sich als „Journalisten und Menschenrechtler“ ausgeben. Er rief seine Parteifreunde dazu auf, sich dieser Personen „zu entledigen“. Wer die Regierungspartei wegen der Abhaltung von Wahlen unter Druck setze, der gehöre „zwei Meter tief unter die Erde“. Offener kann ein Mordaufruf nicht formuliert werden. Neun Jahre später kam es dann zur Ermordung von Deyda Hyadara. Reporter ohne Grenzen beschreibt die Pressefreiheit in Gambia als „katastrophal“, es komme immer noch zu Todesdrohungen, zu Überwachung von Journalisten und zu willkürlichen nächtlichen Verhaftungen von Pressevertretern, die nicht das Loblied der Regierung singen.

Als in diesem Sommer die Afrikanische Union in der gambischen Hauptstadt Banjul tagte, da hegten viele die Hoffnung, dass sich das geistige Klima zum Besseren wenden könnte. Die Medienstiftung für Westafrika (Media Foundation for West Africa) plante die Abhaltung einer Konferenz zum Thema Meinungsfreiheit in Gambia. Das Hotel war bereits gebucht, aber die Regierung ließ dem Hoteldirektor mitteilen, das Forum könne erst dann abgehalten werden, wenn die Regierung es genehmigt habe. Kurzum: Das Regime ließ das Forum platzen. Die Statuten der Afrikanischen Union, die sich gute Regierungsführung, das Rechtsstaatsprinzip und die Achtung der Menschenrechte auf ihre Fahnen geschrieben hatte, wurden einfach ignoriert.

Pap Saine ist 56 Jahre alt, er ist der Herausgeber von „The Point“; und statt die Zeitung einzustellen, hat er sie erweitert und umgestellt von der Erscheinungsweise dreimal in der Woche auf eine tägliche Erscheinungsweise. Heute arbeiten 50 Menschen für „The Point“; was sie verdienen, angesichts einer Druckauflage von 3500 Stück, das kann sich jedermann ausmalen, die finanzielle Lage ist immer prekär. Pap Saine schreibt manchmal selbst in einem geradlinigen Stil. Kürzlich habe ich einen längeren Artikel von ihm gelesen über die Verhaftung eines Armeeoffiziers wegen einer angeblichen Verschwörung. Pap Saine nennt Namen, er beschreibt die Umstände der Gefangenennahme, er schreibt, von wem er verhört wurde, er nennt die Namen jener Beamten, die den Verhafteten im Gefängnis Schläge zugefügt haben. All dies ist demokratische Basisinformation, es ist mutige Aufklärungsarbeit für eine Gesellschaft, die sich transparentes Handeln der Regierung wünscht. Es ist harte Recherche und es ist gefährlich. Die detaillierte Schilderung eines offenkundigen Fehlverhaltens von Staatsbediensteten ist immer eine Gratwanderung, ein riskantes Unterfangen: Wann fängt Verleumdung an, was ist Aufwiegelung? Dieser Tage fand ich in „The Point“ einen Artikel über die Verhaftung von Minderjährigen – offenbar auch aus politischen Gründen, wie das Blatt schreibt. Immer wieder mahnt Pap Saine in seinen Artikeln die Achtung der Menschenrechte an: Als kürzlich ein neuer Justizstaatssekretär ins Amt eingeführt wurde – der elfte in zwölf Jahren –, begleitete Pap Saine dies mit der Aufforderung an ihn, die umstrittenen Pressegesetze zurückzunehmen. Er schreibt, es folgt ein wörtliches Zitat,:  „Die Medien brauchen zum Leben und Arbeiten eine Umgebung, die frei von Belästigung und Drangsalierung ist. Je mehr die Medien geknebelt sind, desto mehr werden Gerüchte und Halbinformationen im öffentlichen Leben herumschwirren. Das ist zum Nachteil von jedermann, der Regierung und des Volkes.“ Der Präsident Gambias scheint dies nicht verstanden zu haben.

Auf die Frage, was ihn motiviert habe, Journalist zu werden, hat mir Pap Saine geantwortet, es sei sein Wille zum Kampf gegen die Ungerechtigkeit und der Wunsch nach Meinungsfreiheit gewesen. In der Kolumne „The Bite“, der Biss, setzt sich „The Point“ für dieses Anliegen ein: Da wird gegen die Zwangsheirat von jungen Mädchen gewettert, da wird über die Kinderprostitution in der Tourismusbranche geklagt.   Es werden die Probleme mit Verkehrssündern geschildert, die eine neue Ampel in Banjul nicht akzeptieren und das Rotlicht ignorieren. Oder „Der Biss“ kritisiert den mächtigen Regionalnachbarn Nigeria, wo es so häufig zu Flugunglücken kommt, dass man in Banjul befürchtet, dass die gesamte Region Westafrika in Misskredit gezogen wird. Und im „Biss“ wird die Opposition belobigt, weil sie nicht schon wieder die Wahl boykottiert und weil das Land ein System der „Checks and Balances“ brauche; die Exekutive brauche ein Gegengewicht. „The Bite“ ist mehr als eine Meckerecke, er ist ein Ventil für eine unzufriedene Gesellschaft, er ist ein Treiber für die Entwicklung zu einer modernen Gesellschaft. „Wir wollen eine Demokratie sehen, die die Entwicklung fördert und das Wohlergehen der einfachen Leute in unserem Land“, heißt  es in der Kolumne.
 
Ausblick/Resümee
Die Reuters Nachrichtenagentur hat Pap Saine kürzlich den Titel „Dekan der Reuters Korrespondenten in West- und Zentralafrika“ verliehen. Sie hat ihn gerühmt für seine Standhaftigkeit in turbulenten Zeiten. Sie hat ihm dafür gedankt, dass er auch unter schwierigen und gefährlichen Umständen mit seinem Journalistenberuf „durch Dick und Dünn“ gegangen sei. Pap Saine sei ein Vater des zeitgenössischen gambischen Journalismus und er inspiriere junge Journalisten des Landes. Der Einschätzung von Reuters kann ich mich nur anschließen. Aber ich möchte schließen mit dem Dank an die Johann-Philipp-Palm-Stiftung dafür, dass sie auf Pap Saine aufmerksam wurde. Für Journalisten wie ihn, die in fernen, versteckten Winkeln der Erde arbeiten, ist internationale Aufmerksamkeit eine Art Lebensversicherung. Sie brauchen die Kontakte und die Solidarität des Auslands, sie brauchen die Einladungen aus dem Ausland, die Einladungen westlicher Stiftungen und Botschaften, sie brauchen die Aufträge von westlichen Nachrichtenagenturen für das wirtschaftliche Überleben – und als Rückendeckung für ihre Arbeit. Denn wer in einem repressiven afrikanischen Staat versucht, kritische Arbeit zu leisten, der ist recht schnell alleine. Der BBC hat im Wahlkampf vor den Septemberwahlen in einer Reportage einen Gambier, der in der Tourismusindustrie arbeitet, zitiert. Der sagte: „Wir haben Angst in Afrika. Du sprichst dich nur laut aus, wenn du für die Regierung bist.“ Die Aussage ist falsch. Pap Saine wiederholt in Gambia nicht die Worte der Regierung; er hat seine eigene Stimme, und er formuliert den Willen des Volkes. 

Gut 40 Jahre nach der Unabhängigkeitswelle verharren noch viele afrikanische Staaten im ökonomischen Stillstand oder haben gar den Rückwärtsgang eingelegt. Der politische Fortschritt und die Einführung von transparenten politischen Systemen gehen nach dem Prinzip „zwei Schritte voraus, einen zurück“ vor sich. Wir haben ermutigende Beispiele stabiler Demokratien wie in Tansania oder Ghana, gepaart mit wirtschaftlichem Aufwind. Wir haben aber auch drastische Rückschritte wie in Simbawe, Eritrea oder an der Elfenbeinküste. Aber die afrikanischen Staaten brauchen die soziale Befriedung, sie benötigen die wirtschaftliche Teilhabe der Bevölkerung an den nationalen Ressourcen und sie brauchen die Kontrolle der politischen Macht. Bei all diesen Anliegen – die auch im NEPAD-Programm zur Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung beschrieben worden sind – spielt eine freie Presse eine tragende Rolle. Pap Saine ist einer ihrer herausragenden Vertreter.