Palm-Stiftung

PALM-STIFTUNG

gemeinnütziger Verein e. V.
Schorndorf
Wallstraße 2
73614 Schorndorf

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Apotheker, Unternehmer, Bauherren

Über 350 Jahre Palm'sche Apotheke am Marktplatz

Wohn- und Geschäftshaus Dr. Palm'sche Apotheke
Marktplatz 2
73614 Schorndorf

1644 erwarb der Apotheker Johann Philipp Palm (1607 – 1665) das ehemals Gomer'sche Grundstück, die sog. „Eckhofstatt“, und errichtete auf dem Schutt der 1638 abgebrannten Mauern um 1550 ein neues Gebäude. Zwei Jahre später erwirbt er das benachbarte Grundstück, die sog. „Hintere Behausung“ und errichtet dort ein zweites Gebäude. Das prächtige Fachwerk und die solide Bauweise deuten darauf hin, dass die Familie Palm, die zuvor gegenüber der Stadtkirche gewohnt hatte, zumindest Teile ihres Vermögens über die Jahre des 30jährigen Kriegs zu retten vermocht hatte. Der Krieg hatte die Schorndorfer Stadtbevölkerung auf ein Viertel reduziert und die einst reiche Handelsstadt litt unter Kämpfen, Besatzungen, Hungersnöten und Seuchen.

Jakob Christoph Palm, Apotheker (1663 – 1740), fasst die einzelnen Gebäude unter einem Dach zusammen. Noch heute ist deutlich sichtbar, dass es sich bei der Dr. Palm´schen Apotheke ursprünglich um zwei getrennte Gebäude gehandelt hat: Der Giebelaufbau wirkt wie ein Verbindungsstück, deutlich unterscheidbar sind die Fachwerkmuster der unterschiedlichen Teile. Die vorstehenden Balkenköpfe der Fachwerkquerbalken sind an dieser Stelle unregelmäßig dicht nebeneinander angebracht.

Johann Philipp Palm, Apotheker und Bürgermeister (1699 – 1766), verbindet die Erdgeschossräume des einstigen Doppelhauses und schafft einen gemeinsamen Eingang. Der Schlussstein über dem Torbogen trägt das Familienwappen und den zuversichtlichen – vielleicht auch etwas trotzigen – Wahlspruch der Familie: „Kein Last drückt mich darnieder, ich grüne Allzeit wieder.“ 

Philipp Friedrich Palm, Apotheker und Bürgermeister (1759 – 1845), verblendet das Fachwerk des gesamten Gebäudes entsprechend des Zeitgeschmacks mit schlichtem Putz.

Theodor Friedrich Palm, Apotheker und Gemeinderat (1861 – 1917), versieht um 1896 die Hausfassade mit jugendstilhaften Fresko-Ornamenten und den Bildnissen bedeutender Persönlichkeiten. Auch er nimmt umbauten im Innenraum vor und verlegt den Haupteingang des Gebäudes an die Nordseite.

Dr. phil. Johann Philipp Palm, Apotheker (1889 – 1940), lässt 1931 – 33 das kostbare historische Fachwerk wieder freilegen und erneuert 1939 die Substanz des Erdgeschosses. Mit Stahlträgern versucht man, die zerstörte Decke des Erdgeschosses und damit den im ersten Stock befindlichen Wohnraum zu sichern. Außerdem lässt er im Erdgeschoss an der Westfassade rechts des mittleren Bogens, eine bronzene Gedenktafel für den erschossenen Buchhändler Johann Philipp Palm anbringen.

Johann Philipp Palm, Apotheker und Unternehmer (1918 – 2004) und Dr. med. Maria Palm, geb. Krampf, Apothekerin (1923) renovieren 1955 und erneut 1966 den Geschäfts- und den Wohnbereich. Doch nicht einmal eine moderne Stahlrahmenkonstruktion half, die durch mehrere Umbauten völlig aus dem Gleichgewicht geratene Statik und die mangelhafte Bausubstanz von vor dem 30jährigen Krieg zu sichern. Teile des Hauses hatten sich um fast 30 cm im Vergleich zum Ursprungsniveau abgesenkt; es war lebensgefährlich, hier zu wohnen oder zu arbeiten.

1975 – 79 wird der vollständigen Ab- und Wiederaufbau des denkmalgeschützten Gebäudes gewagt. Der Denkmalstreit um die Dr. Palm'sche Apotheke beschäftigt Denkmalschützer, Kunsthistoriker, Statiker und eine ganze Reihe von Gutachtern. Schließlich entscheidet der Baden-Württembergische Landtag über die „Causa Palm“: Das Grundgerüst des Gebäudes darf mit modernen Materialien wieder neu errichtet werden. Das historische Fachwerk wird jedoch erhalten, sachgerecht restauriert und an der Außenwand der Süd- und Westseite wieder eingebracht. 

Am 14. September 1979 wird die Dr. Palm'sche Apotheke wieder eröffnet und steht laut Eröffnungs-Anzeige in der Schorndorfer Zeitung erneut „Mitbürgern, Kranken und Gesunden mit Rat und Hilfe zur Verfügung.“ Seither befindet sich der Eingang zur Apotheke, im Vergleich zum Vorgängerbau, um zwei Bögen nach rechts verschoben. Der Eingang zum Treppenhaus mit Aufgang zu den Arztpraxen und zum Wohnbereich befindet sich am nördlichen Ende des Gebäudes. 

Nach dem Vorbild vorangegangener Bauherren lassen die Eheleute Palm am Eingang zur Apotheke von der Johann-Philipp-Palm-Straße her ebenfalls einen Schlussstein in den Torbogen setzen. Er trägt die Aufschrift „Reaedie in Torment. 1975 – 1979. Dr. Maria Palm. Joh. Phil. Palm“ („Aus Trümmern wieder errichtet“), sowie die Palme aus dem Familienwappen. 

Die finanzielle Belastung, die Folgekosten wegen Geschäftswegfalls, die Unannehmlichkeiten für die gesamt Lebenshaltung während des beinahe 5jährigen Umbaus sowie der öffentlich ausgetragene Denkmalstreit und die teils scharfen Angriffe der Gegner prägten die Eheleute Palm nachhaltig. Nie mehr sollen Familienmitglieder einer solchen Belastung alleine ausgesetzt sein! Aus diesem Gedanken entsprang das Bedürfnis, das Vermögen – in aller erster Linie das Stammhaus der Familie – in eine von mehreren Mitgliedern zugleich getragene Organisationsform einzubringen und damit auf Dauer zu sichern. Aus dieser Idee entwickelte sich Jahre später die heutige Palm-Stiftung e.V.