Palm-Stiftung

PALM-STIFTUNG

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Schorndorf
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Dankesworte von Nazeeha Saeed, Journalistin aus Bahrein

Für diejenigen von uns, die ein waches Gewissen besitzen, ist es wohl am schwersten, Ungerechtigkeit zu sehen und sich davon abzuwenden. Es war meine Aufgabe als Journalistin, diese Ungerechtigkeit ins Visier zu nehmen, auch über andere Geschehnisse zu berichten, und den Stimmlosen eine Stimme zu geben. 

Im Mai 2011 wurde ich zur Adressatin dieser Ungerechtigkeit. Ich wurde verhaftet, beleidigt und gefoltert, weil ich objektiv über die pro-demokratischen Aufstände in meinem Land berichtete. Derjenige, der mich folterte, wurde nach einem zwei Jahre andauernden Verfahren nicht einmal bestraft. Heute ist es meine Berufung, für die Meinungs- und Pressefreiheit zu kämpfen, und nicht nur ein Beruf, dem ich nachgehe. 

In Bahrain, meinem Herkunftsland, ist es nicht einfach, einen Beruf wie den des Journalisten auszuüben. Täglich wird um die Presse- und Meinungsfreiheit gerungen. Obwohl die Staatsmacht immer wieder behauptet, dass die Meinungsfreiheit in Bahrain aufrecht erhalten würde, gibt es heutzutage eine große Anzahl von Menschen, die hinter Gittern sitzen aufgrund eines Fotos, das sie machten, eines Artikels, den sie schrieben, oder eines Tweets, den sie absetzten um ihren Ansichten Ausdruck zu verleihen. 

Laut der Organisation ‚Reporter ohne Grenzen‘ nimmt Bahrain einen der hintersten Plätze auf dem Pressefreiheitsindex ein, von 179 Ländern liegt es nämlich auf Platz 165. Für das Komitee zum Schutz von Journalisten ist Bahrain, nach Eritrea, das Land, das weltweit führend ist in Bezug auf  die Anzahl gefangener Journalisten pro Kopf, basierend auf Zahlen des Gefängniszensus vom 1. Dezember 2013.

Während mich viele als Opfer sehen, weigere ich mich, diese Zuschreibung so anzuerkennen. Ja, sie haben mich gefangen genommen und gefoltert, aber das hat mich nicht gebrochen. Es gab mir Einsicht und die nötige Munition, zurück zu kämpfen  und aufzustehen für meine Rechte und die Rechte meiner Kollegen, die sich in juristischen Schwierigkeiten befinden, weil sie ihrer Arbeit nachgehen, schreiben und ihre Meinung ausdrücken.

Niemand sollte in Angst leben. Niemand sollte Angst haben, seinen Beruf auszuüben. Niemand sollte sich Sorgen machen müssen, weil er oder sie sich zu Wort melden. Und niemand sollte mundtot gemacht werden und seiner Stimme beraubt werden, nur weil eine Obrigkeit diktieren kann, was als Teil des öffentlichen Diskurses zugelassen wird und was nicht, über welche Ereignisse berichtet werden darf und was zensiert und vertuscht werden soll. 

Ich danke der Palm Stiftung für diesen Preis und dem Komitee zum Schutz von Journalisten für meine Nominierung. Das gibt mir den Anschub, weiterhin diejenigen zu unterstützen, denen nicht die gleiche Unterstützung zu Teil wurde wie mir. Ich möchte diesen Preis all meinen Kollegen in Gefangenschaft widmen: 

  • Dem Fotografen Ahmed Humaidan, verurteilt zu 10 Jahren Haft, weil er Fotos aufgenommen hat. 
  • Dem Fotografen Hussam Suroor, verurteilt zu 10 Jahren Haft, weil er Fotos aufgenommen hat.
  • Dem Fotografen Hussain Hubail, verurteilt zu 5 Jahren Haft, weil er Fotos aufgenommen hat.
  • Dem Blogger Jassim Al Naimi, wegen Bloggens zu 5 Jahren Haft verurteilt. 
  • Dem Kameramann Qassim Zaineldin, wegen Filmaufnahmen zu vier Jahren Haft verurteilt.
  • Dem Fotografen Abdulla Isa verurteilt zu 3 Jahren Haft, weil er Fotos aufgenommen hat.
  • Der Blogger Ali Meraj wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er bloggte.
  • Ammar Abdul Rasool wurde wegen Fotoaufnahmen zu zwei Jahren verurteilt. 
  • Kameramann Jaffar Marhoon wurde zu einem Jahr und neun Monaten wegen Filmaufnahmen verurteilt. 

Dies sind nicht alle. Viele weitere wurden inhaftiert und erwarten ihre Verurteilung. 

Ich möchte mich bei Ihnen allen vielmals bedanken. Es ist wahrhaftig eine Ehre, hier zu sein. 

Aus dem englischen Original von Nina Jürgens, Stuttgart

Dankesworte von Kudrat Babadjanov für Salijon Abdurakhmanov, inhaftierter Journalist aus Usbekistan

Sehr geehrte Damen und Herren, erlauben Sie mir, im Namen von Salijon Abdurakhmanov und auch im Namen seiner Freunde, Kollegen und Verwandten für die Verleihung des Preises für Meinungs- und Pressefreiheit zu danken.

Für mich als Journalisten und Freund von Salijon ist eine große Ehre, an dieser Preisverleihung teilzunehmen, obwohl es viel besser wäre, wenn er hier persönlich anwesend wäre. Heute sitzt er im Gefängnis, weil der Staat es so entschieden hat, einen Journalisten für seine ehrliche Arbeit zu bestrafen.

Salijon Abdurakhmanov wurde nach erfundenen Anschuldigungen angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er ist schwer krank, sein weiterer Aufenthalt in Haft wird zu irreversiblen Schäden für seine Gesundheit führen.

Wir haben sehr lange gehofft, dass er vor der Verleihung der wohlverdienten Auszeichnung freigelassen wird. Zu seiner Verteidigung haben viele Menschenrechts- und Journalistenvereinigungen und Aktivisten viele Aktionen, Petitionen und Anfragen organisiert. Salijons Name ist in alle möglichen Berichte internationaler Organisationen eingetragen.

Ich möchte die Gunst des Moments ausnutzen, um ein wenig über meinen Kollegen zu erzählen. Wir haben fast gleichzeitig angefangen, für den usbekischen Dienst von Radio Liberty im Jahr 2000 zu arbeiten, und wir lebten in einer Region - dem Aralsee, aber Hunderte Kilometern voneinander getrennt. Ich habe aus Choresm berichtet; er aus dem salzigen Karakalpakstan.

Karakalpakstan ist ein ökologisches Katastrophengebiet mit einer hohen Zahl an schweren Erkrankungen und Todesfällen unter der Bevölkerung. Wegen der extremen Armut und Arbeitslosigkeit verließen Menschen ihre Häuser und haben mit dem Benzinschmuggel aus dem benachbarten Turkmenistan begonnen.

Vom Standpunkt unseres Berufs als freie regionale Reporter sollten wir Konkurrenten sein, aber Salijons hat immer seine Informationen mit mir geteilt.

Wenn er etwas von einem Zwischenfall hörte, rief er mich an, oft früh am Morgen, damit ich schnell mit dem Auto an Ort und Stelle war, um eine Reportage zu machen.

So ein Vorfall könnte ein Mord an einem Hirtenjungen oder eines Schmugglers durch turkmenische Grenzsoldaten sein oder eine Protestaktion von Händlern gegen die Schließung der Lokalmärkte.

Als Feldreporter haben wir uns stets bemüht, über das zu schreiben, was wir mit eigenen Augen gesehen haben. Im Gegenzug habe ich auch immer versucht, meinem Freund bei der Suche nach Material zu helfen.

Später ging er zu „Stimme Amerikas“ (Voice of America), und ich wechselte in den regionalen Dienst von BBC; danach haben wir parallel am Institut for War and Peace Reporting gearbeitet. Außerdem begannen wir zusammen für den Informationsdienst «Uznews.net» zu arbeiten. Unsere Erfahrung bei der Sammlung von Informationen in schwierigen Regionen war uns überall von Nutzen. Wir konnten zusammen im Team arbeiten.

Er war immer seinen Prinzipien treu. Wir wohnten in der Nachbarschaft von Turkmenistan, einem Land, dessen Regime noch weitaus repressiver als das in Usbekistan war.

Ich kann mich erinnern, wie wir uns über die turkmenischen Kollegen lustig gemacht haben, die irgendwelchen Propaganda-Unsinn geschrieben hatten. Salijon hat sie in Schutz genommen und gesagt: „Kommt zur Vernunft! Stellt euch vor, wie schwer sie es jetzt haben. Das kann uns auch treffen…“

Diese Stunde schlug sehr schnell. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands in Andijan 2005 hat die Regierung fast alle internationalen Organisationen und Reporterbüros aus Usbekistan ausgewiesen. Viele haben diesen riskanten Beruf still aufgegeben. Zur Erinnerung: Am 13.Mai 2005 wurden friedliche Demonstranten auf dem zentralen Platz in Andijan erschossen.

Unser Team ist nach Bischkek ins benachbarte Kirgistan umgezogen. Ein Teil unserer Journalisten ist später in die Heimat zurückgekehrt, um dort zu arbeiten. Unter ihnen war auch Salijon Abdurakhmanov.

Wir wurden gezwungen, unsere Tätigkeit einzustellen. Abdurakhmanov und andere unserer Journalistenkollegen waren ständig in schriftlichem Kontakt mit uns. Er hat mich oft gefragt: „Wann werden wir endlich unsere Arbeit fortsetzen?“. Weder ich noch meine anderen Kollegen konnten konkrete Antworten auf diese Frage geben.

Erst 2006 konnten wir auf Initiative unserer Leiterin Galima Bucharbajeva die Arbeit bei «Uznews.net» wieder aufnehmen.

Und wieder hatten wir in unseren Ausgaben die unbekannten dunklen Seiten Usbekistans aufgedeckt, wie das staubige und versalzene Karakalpakstan, wo der Aralsee austrocknet, wo Regierungswillkür, Massenausbeutung von Kindern, Folter und viele andere Menschenrechtsverletzungen herrschen.

Die Reaktion der Behörden auf die Kritik folgte unmittelbar. Die Verfolgungen von Journalisten und deren Informanten nahmen zu.

Im Oktober 2007 wurde der Journalist Alischer Saipov ermordet. Der mutige Journalist, der über die Ereignisse in Usbekistan aus dem benachbarten Kirgistan berichtete, wurde auf offener Straße von Auftragskiller erschossen. Er war unser Kollege.

Die Kollegen von Alischer und seine Familie sind sich sicher, dass er im Auftrag der usbekischen Regierung ermordet worden ist, deren scharfer Kritiker er war.

Im Jahr 2011 wurde, bereits in Russland, Fuad Rustamchodjaev vor seiner Haustür ermordet, ein Imam und politischer Aktivist.

Im Jahr 2012 wurde in Schweden ein Attentat auf das Leben des berühmten usbekischen Imams Obidhon Nazarov verübt. Bis heute liegt Nazarov im Koma.

Außer Salijon Abdurakhmanov befinden sich in usbekischen Gefängnissen Dutzende weitere Journalisten. Sie haben eines gemeinsam – sie werden für ihre professionelle Tätigkeit bestraft, für ihre Überzeugung, ihre ehrliche Haltung und für die freie Äußerung ihrer Meinung trotz aller Drohungen der Machthaber.

Ich denke, die Auszeichnung Solijons mit diesem Preis ist ein direkter Aufruf an die usbekische Regierung – Lasst ihn frei und auch unsere anderen Kollegen. Freiheit für Salijon Abdurakhmanov!

Aus dem russischen Original von Ljasat Paulwitz, Stuttgart