Palm-Stiftung

PALM-STIFTUNG

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Schorndorf
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Vita

Sohn der Stadt Schorndorf

Johann Philipp Palm wird am 18.12.1766 als Sohn des Chirurgen und Umgelders Johann Leonhard Palm und der Bäckertochter Christina Elisabeth geb. Mürdter in der Palm´schen Apotheke am Schorndorfer Marktplatz geboren. Er besucht die örtliche Lateinschule und bricht als 14jähriger nach Erlangen auf, um bei seinem Onkel Johann Jakob Palm eine Buchhandelslehre zu absolvieren. Es folgen Aufenthalte u.a. in Göttingen und Frankfurt a.M.

Bürger, Buchhändler und Verleger in Nürnberg

Im Jahr 1796 erwirbt Johann Philipp Palm die Bürgerrechte der freien Reichsstadt Nürnberg. Er heiratet Anna Katharina Barbara geb. Stein. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Er tritt in die Stein'sche Buchhandlung seines Schwiegervaters zunächst als Teilhaber ein; ab 1799 wird er zum alleinigen Inhaber.

Im Frühsommer des Jahres 1806 verlegt und vertreibt Palm die anonym verfasste Schrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung“. Das Pamphlet kritisiert nicht nur die imperiale Politik Napoleons unter dem Deckmantel der Freiheit und die teils üble Behandlung der Zivilbevölkerung durch die französischen Besatzer. Es wirft auch den deutschen Fürsten vor, zum Zweck des eigenen Machterwerbs mit der französischen Militärdiktatur zu kooperieren und die Nöte der Bevölkerung zu ignorieren.

Schriften dieser Art häufen sich zu jener Zeit und erregen Napoleons heftigen Zorn. Er befiehlt, ein für alle Mal klarzustellen, dass er keine Kritik an seiner Person und seinem Regierungsstil duldet: Da der Verfasser unbekannt ist, sollen die Verbreiter der Flugschrift vor ein französisches Kriegsgericht gestellt und innerhalb von 24 Stunden erschossen werden.

Hinrichtung in Braunau am Inn

Am 14.8.1806 wird Johann Philipp Palm von französischen Besatzungstruppen verhaftet und nach Braunau am Inn vor ein Militärgericht gebracht. Ohne Rechtsbeistand, der ihm eigentlich gesetzlich zusteht und auf den er bis zuletzt hofft, versucht sich Palm zu verteidigen. Den Namen des Autors der Flugschrift kennt er, gibt ihn jedoch nicht preis. Am 26.8.1806 wird Johann Philipp Palm, Bürger der freien Reichsstadt Nürnberg, mitten im Frieden von einem französischen Militärgericht auf österreichischem Boden in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt. Nur drei Stunden nach der Urteilsverkündung wird er erschossen. Es ist dies in der Geschichte des Buchhandels der erste Fall, in dem ein Buchhändler für den Inhalt eines von ihm vertriebenen Buches haftbar gemacht und dafür mit dem Tode bestraft wird.

Nachwirkungen

Der Text des Gerichtsurteils wird in deutscher und französischer Sprache in 6.000 Exemplaren öffentlich plakatiert. Statt die erwünschte Abschreckung zu erwirken, löste der Willkürakt aber in weiten Kreisen der Bevölkerung Entsetzen aus. Zunehmend gewinnen anti-napoleonische Ressentiments die Oberhand, die letztlich zum Sturz des Imperators führen.

Seither wird Johann Philipp Palm immer wieder und von verschiedenen Seiten als Freiheitsheld und Vorkämpfer für die deutsche Einheit vereinnahmt. Vor allem im frühen 20. Jahrhundert widmen sich zahlreiche Autoren ihm, seinem Leben und seinem Sterben. Die tatsächliche Quellenlage stellt sich jedoch weniger eindeutig dar. Palms eigene politische Meinung kann nur indirekt erschlossen werden; er hat kein Selbstzeugnis zum aktuellen Zeitgeschehen hinterlassen.

Vorbildfunktion

Die vorhandenen Quellen erlauben allerdings gewisse Schlüsse auf Palms Persönlichkeit: Die Buchhandelsbranche des frühen 19. Jahrhunderts war geprägt von Kriegsschäden, Besatzung, Zensur und allgemeinem wirtschaftlichem Niedergang. Trotz dieser widrigen Bedingungen übte Johann Philipp Palm seinen Beruf äußerst verlässlich und umsichtig, sowie mit großer Überzeugung aus. Er war tief verwurzelt in der bürgerlich-pietistischen Tradition der alten württembergischen Familie Palm. In einem Geschäftsbrief vom Juni 1806, kurz vor seiner Verhaftung, schreibt er: „Zudringlich und kriechend kan ich nicht seyn, der ehrliche Mann glaube ich hat dies nicht nötig“. In seinem Notizbuch finden sich unter den letzten Eintragungen vom August 1806 nicht nur Überlegungen, was auf der Rückfahrt nach Hause alles zu erledigen sei. Palm hat dort auch die Paragrafen der Reichsverfassung notiert, die ihm als Vertreiber (nicht als Autor) der verhängnisvollen Flugschrift den Freispruch ermöglicht hätten. Sein Festhalten am Recht auf freie Meinungsäußerung und sein Glaube an die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit machen ihn zu einem historischen Vorbild. Sie prägen die Arbeit der Palm-Stiftung e.V. bis heute.