Palm-Stiftung

PALM-STIFTUNG

gemeinnütziger Verein e. V.
Schorndorf
Wallstraße 2
73614 Schorndorf

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Dankesworte von Seyran Ateş, türkischstämmige Deutsche, Anwältin und Autorin aus Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Thea,

Sie haben uns heute einen Preis überreicht, der für die Meinungsfreiheit und Pressefreiheit steht. Vielen Dank für die Ehre, die Sie mir und meiner Arbeit und Überzeugung zuteilwerden lassen.

Im Grunde ist es doch eine Schande, oder? Dass man leider – teilweise auch noch in Deutschland – immer noch nicht seine Meinung wirklich frei äußern und drucken kann. Jedenfalls sind wir oft Beschränkungen ausgesetzt, auch wenn sie lediglich aus „Einschüchterungen“ bestehen. Es gibt noch zu viele Menschen, die eine andere Meinung nicht akzeptieren können. Sie sind sogar bereit, deshalb zu töten, weil jemand anders denkt. Das alles geschieht auch in Deutschland, obwohl wir in Deutschland und in Europa diesbezüglich schon eine sehr luxuriöse Situation haben. Wir alle wissen, dass es schlimmere Zeiten gegeben hat.

Sie erinnern mit diesem Preis an diese noch schlimmeren Zeiten und stehen für das freie Denken und freie Publizieren, ohne die politische Prozesse, ohne die eine Aufklärung und ohne die Fortschritt nicht denkbar wären.

Vielen Dank dafür.

Ich stehe mit meinem Geist und meiner Arbeit für dieselben Ziele wie Sie. Das wissen Sie natürlich, sonst würden Sie mich nicht preisen, d.h. natürlich ehren. Wie schön man mit der deutschen Sprache spielen kann.

Sie geben mir einen Preis dafür, dass ich mich für Freiheit einsetze; und ich gebe dafür auch einen Preis. Nämlich einen großen Teil meiner persönlichen Bewegungsfreiheit. Und glauben Sie mir, auch wenn ich so mutig scheine oder bin, Vieles bleibt noch ungesagt bzw. ertappe ich mich dabei, vorsichtig zu sein, vorsichtiger zu sein, seit ich Mutter bin. Denn es gibt einen Preis, den man zahlen kann, wenn man sich für die Freiheit einsetzt, der nicht zu korrigieren, nicht rückgängig zu machen ist – das ist der Preis, sein Leben dafür zu geben.

Nachdem ich ein Attentat überlebt habe, weiß ich, wovon ich spreche. Das ich trotz dieser  Erfahrung weitergemacht habe, war der Preis, den ich bereit war, dafür zu zahlen. Ich sagte: „Jetzt erst recht.“ Was könnt ihr mir nehmen – mein Leben? Bitteschön. Mein Leben steht für die Freiheit, zu leben, zu denken, zu sprechen und zu schreiben, wie man es für richtig hält. Ich lebe dafür. Jetzt ist alles anders. Jetzt bin ich nicht mehr nur für mich allein verantwortlich.

Ich habe nicht das Recht, andere wegen meiner Ideale zu gefährden. Mein Kind zu gefährden. Seit zwei Jahren lebe ich mit dieser Ambivalenz. Ich bewundere alle Menschen, die in der Vergangenheit und Gegenwart sehr viel gegeben haben für die Freiheit. Einige von Ihnen sind und waren Mütter und Väter. Sie haben es auch „irgendwie“ gemacht. Eine tiefe Überzeugung, das Richtige zu tun, hilft. Und Verbündete zu haben, die einen hin und wieder bestätigen. Verbündete wie Sie. Danke.

Vielen Dank, dass Sie meine bisherige Arbeit, die getragen wird von einem freien Denken, das ich in Deutschland gelernt habe, unterstützen und auszeichnen.

Ich verspreche Ihnen, dass ich Sie nicht enttäuschen werde. Und ich verspreche Ihnen, dass ich mich nicht enttäuschen werde; und erst recht verspreche ich Ihnen, dass ich mich weiterhin für die Menschen einsetzen werde, die ihre Stimme nicht selbst erheben dürfen/können. Für die Menschen, denen untersagt wird, frei zu denken, zu sprechen und zu schreiben.

Und wie es aussieht, werde ich wohl in Zukunft noch mehr schreiben. Das kann man, muss man sogar, ohne viel Bewegungsfreiheit. Hauptsache der Kopf ist an seinem Platz.

DANKE

Dankesworte von Itai Mushekwe, freier Journalist aus Simbabwe, derzeit Köln

Sehr geehrte Mitglieder des Kuratoriums der Palm-Stiftung,
geladene Gäste,
Bewohner dieser wunderschönen Stadt Schorndorf,
meine Damen und Herren,
meine Freunde und Familie
und alle, die sich hier an diesem Vormittag versammelt haben,

mit dem Herzen voll Freude und Demut empfange ich die Ehre, einer der Preisträger des diesjährigen angesehenen und international renommierten Johann-Philipp-Palm-Preises zu sein. Es gibt für einen Journalist nichts Erfüllenderes als die Anerkennung der eigenen Bemühungen, ganz besonders auf so hoher Ebene. Ich möchte mich bei der Stiftung bedanken, dass sie mich in ihre Familie von bedeutenden Preisträgern aufnimmt – das hat meine Überzeugung und Entschlossenheit gestärkt, weiterhin mit meiner journalistischen Arbeit für die bürgerlichen und politischen Rechte all meiner Mitbürger in Simbabwe und in ganz Afrika zu kämpfen.

Meinungsfreiheit ist in meinem Land im Grundgesetz gewährt, aber nicht ausdrücklich verankert. Die Regierung hat diese Gesetzeslücke genutzt, um mit schlechter Regierungsführung und repressiven Gesetzen ihre Diktatur aufrechtzuerhalten. Ein Volk braucht starke Medieninstitutionen, die die Aktivitäten der Regierung, die wir gewählt haben, überwachen. In Simbabwe, wie in den meisten afrikanischen Staaten, sind kritische und unabhängige Medien beseitigt, oder zum Stillschweigen verurteilt worden und liefern unsere Mitbürger damit tyrannischen Regierungen aus, die durch eben diese Unterdrückung der Meinungsfreiheit florieren.

Medien und Journalisten, die es gewagt haben, die soziale, wirtschaftliche und politische Ordnung in Frage zu stellen, sind Strafen vonseiten des Staates ausgesetzt. In Simbabwe, wo der Journalismus kriminalisiert worden ist, werden Journalisten gefoltert, eingesperrt und kommen unter ungeklärten Umständen ums Leben, weil sie ihrem Beruf nachgehen. So werden sie zu Opfern ihres eigenen Berufes. Bei uns gibt es eine Unzahl von äußerst brutalen Gesetzen, die dazu bestimmt sind, die Presse mundtot zu machen. Dies hat zu Zwangsschließungen von unabhängigen Zeitungen geführt und damit zum Tod des kritischen Journalismus und dessen Einmischung in die Politik, die, so der berühmte Deutsche Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, notwendig ist, damit die Bürger ihre Bedeutung für das jeweilige politische Leben ihrer Länder beibehalten.

Meinungsfreiheit ist eine Voraussetzung und natürliche Notwendigkeit für alle und kein Privileg. Denn wir sind alle frei geboren, ebenbürtig an Menschenwürde und Rechten. Demokratie bedeutet nicht nur, Macht zu gewinnen, sondern ebenso auch zu wissen, wann man loslassen muss. Demokratische Selbstbestimmung kann nicht stattfinden, wenn Medien und Zivilgesellschaft schwach sind. Es ist meine innigste Hoffnung, dass ich bald die Herausforderung angehen und meinen Traum verwirklichen kann, eine eigene Zeitung zu verlegen, die dem erstickenden Afrika eine eigene Stimme zu verleihen vermag. Ich gehöre einer neuen Generation von Afrikanern und Bürgern von Simbabwe an, die unser Volk wachsen und gedeihen sehen will, die unseren großartigen Kontinent herausragen und in Frieden leben sehen will. Ich habe keine Illusionen, dass das sehr viel verlangt ist. Aber wo ein Wille ist, da gibt es auch einen Weg. Vergangene Generationen von Anführern haben uns im Stich gelassen und die Verpflichtung liegt jetzt bei uns, der neuen Generation, die Dinge anders zu machen.

Lassen Sie mich meinen Standpunkt erläutern: Wir haben heute in unterschiedlichen souveränen Staaten Afrikas die Situation, dass Menschen ihr Recht der Meinungsfreiheit zwar in Wahlen ausüben können, dieses Recht aber zugunsten eines neuen politischen Skandals namens „power sharing“ (Machtbeteiligung) umgangen wird. Von heute auf morgen werden Verlierer zu Gewinnern, indem aus berechtigten Gewinnern Verlierer gemacht werden, um sich die Macht mit ihnen zu teilen. Die beängstigende Frage ist: Was soll irgendjemanden in Zukunft daran hindern, diesem eigennützigen Konzept nachzueifern?

Um unser – mein – geliebtes Land und den Kontinent zu emanzipieren, besteht die Notwendigkeit einer neuen politischen Umverteilung, angeführt von einer Jugend, die überzeugt ist, unserem Kontinent zu seinem rechten Platz verhelfen zu können. Denn die Zukunft gehört uns und niemandem sonst!

Ich möchte gerne einigen Menschen besonders danken, die in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt und mein Talent gefördert haben. Diese sind: Werner Eggert, der Geschäftsführer und Chefredakteur von Tide TV und Radio in Hamburg, dafür, dass er durch meine weitere Ausbildung, die ich hier in Deutschland erhalten habe, aus mir einen vielseitigen Journalisten gemacht hat; Jonathan Roth, mein journalistischer Kollege in Kanada. Stevan Bevan, ein altgedienter britischer Journalist. Und nicht zuletzt meine Journalistenkollegen in Simbabwe, die ich um ihren Mut bewundere.

Zum Abschluss möchte ich Sie mit einem altirischen Segen gehen lassen:

Möge die Strasse Dir entgegeneilen,
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
Und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich fest in seiner Hand.

Esse Quam Videri.

„Gott segne die Menschen in Deutschland. Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr.“

Aus dem englischen Original von Julia Stitt, London