Palm-Stiftung

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Presseerklärung des Kuratoriums der Palm-Stiftung e.V. zum 26.8.2010

Bereits 5. Verleihung des Johann-Philipp-Palm-Preises für Meinungs- und Pressefreiheit 

Einladung zum öffentlichen Festakt am Sonntag, 5. Dezember 2010 von 11:00 bis 13:00 Uhr in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf

Die Palm-Stiftung e.V. verleiht in diesem Jahr bereits zum 5. Mal den internationalen Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit. Im Jubiläumsjahr 2010 teilen sich den mit € 20.000,- dotierten Preis die iranische Frauenrechtlerin Mahboubeh Abbasgholizadeh und der mexikanische Journalist Pedro Matías Arrazola. Beide werden die Auszeichnung am Sonntag beim öffentlichen Festakt in Schorndorf persönlich entgegennehmen.

Mahboubeh Abbasgholizadeh, geboren 1958 in Khoramshahr/ Iran, ist Theologin, Frauenrechtlerin und Filmemacherin. Sie arbeitet seit langem für die Demokratisierung in ihrem Land und gehört zu den führenden Oppositionellen dort. „Sie versteht es, kluge Worte, bewegende Bilder und engmaschige Netzwerke von hoher Solidarität und Willenskraft für die Weiterverbreitung rechtsstaatlicher Ideen im Iran zu mobilisieren,“ heißt es in der Preisurkunde. Steinigung und Zwangsverheiratung sind nur zwei der Themen, denen sie sich mit aller zur Verfügung stehender Kraft widmet. Im Mai 2010 wurde sie in Abwesenheit vom iranischen Revolutionsgericht wegen „Verstößen gegen die nationale Sicherheit“ zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren und 30 Peitschenhieben verurteilt. Seither hält sie sich in Amsterdam auf, wo sie ein Online-Portal für Frauen- und Menschenrechte aufbaut. Das Kuratorium der Palm-Stiftung hat sie auf Vorschlag der Berliner Frauenrechtlerin und Publizistin Seyran Ateş gewählt, die in vielen Bereichen mit Mahboubeh Abbasgholizadeh zusammenarbeitet. Frau Ateş wird am Festakt die Laudatio auf ihre Freundin halten.

Pedro Matías Arrazola, geboren 1964, stammt aus Oaxaca/Mexiko - einer der ärmsten Provinzen Mexikos. Er arbeitet für verschiedene mexikanische Nachrichtensender und Zeitungen, u.a. für „Proceso“, eine der wenigen unabhängigen politischen Zeitschriften des Landes. Er schreibt vor allem über Übergriffe und Korruption staatlicher Stellen in Oaxaca, aber auch über Gewaltverbrechen und die andauernde Diskriminierung der indigenen Bevölkerung der Region. Nach massiven Einschüchterungen durch Schlägertrupps konnte Pedro Matías im Jahr 2009 als Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte in Deutschland zunächst ein Jahr Atem schöpfen. Seit Juni 2010 ist er wieder in seiner Heimat, der er sich zutiefst verbunden und verpflichtet fühlt. Martina Bäurle, Geschäftsführerin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, begrüßt seine Auszeichnung mit dem Palm-Preis: „Pedro Matías ist einer der wenigen glaubhaften, aktiven Journalisten in Oaxaca, die trotz massiver Einschüchterungen ihre Arbeit verfolgen und sich damit in Gefahr bringen.“ Mexiko gehört nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten in Lateinamerika. Frau Bäurle wird am Sonntag in Schorndorf die Laudatio auf Pedro Matías halten.

Das Kuratorium der Palm-Stiftung begründet seine Wahl der diesjährigen Preisträger mit dem Hinweis darauf, „dass es in den verschiedensten Regionen der Welt aus unterschiedlichen Gründen überhaupt nicht selbstverständlich ist, das Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben. Iran und Mexiko stehen damit stellvertretend für alle anderen Länder, in denen Menschen Angst haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“ 

Mit dem Palm-Preis werden in jedem zweiten Jahr Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Der Palm-Preis wurde 2002 zum ersten Mal verliehen und hat sich international als feste Größe etabliert, auch dank seiner unentbehrlichen Kooperationspartner, unter anderem amnesty international und Reporter ohne Grenzen. Er hat dabei nie den Bezug zu Schorndorf verloren: Der Buchhändler Johann-Philipp Palm, Namens- und Ideengeber des Preises, ist am Schorndorfer Marktplatz geboren und aufgewachsen. 1806 wurde er wegen einer kritischen Publikation gegen Napoleon und die mit ihm kollaborierenden deutschen Fürsten in einem Scheinprozess erschossen.

Die diesjährige Preisverleihung findet am Sonntag, den 5. Dezember 2010, 11 – 13 Uhr in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf statt. Den Festvortrag hält Prof. Dr. Udo Steiner, Bundesverfassungsrichter a.D. zur verfassungsrechtlichen Situation der Religionsfreiheit in Deutschland.