Palm-Stiftung

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6.12.2020

Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit am 6.12.2020 erstmals nicht öffentlich & ohne persönlich anwesende Preisträger. Virtueller Festakt mit Videoschaltung steht am 10.12. hier als Download zur Verfügung.

 


Mitschnitt des Festakts am 6.12.2020 auf unserem YouTube-Kanal

 

Die aktuellen Maßnahmen zum Infektionsschutz zeigen nur mäßig Wirkung. Als international aufgestellte Organisation müssen wir nicht nur auf die Zahlen im Rems-Murr-Kreis achten, sondern auch die Länder unserer Kooperationspartner*innen im Blick behalten. Niemand soll bei der Anreise oder der Teilnahme an unserer Veranstaltung einem unnötigen Risiko ausgesetzt werden.

Daher wird der 10. internationale Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit am Sonntag, den 6. Dezember 2020 in einem Videokonferenz-Format stattfinden.

So hat es der Vorstand der Palm-Stiftung e.V. nun einvernehmlich beschlossen. Ein kleinerer Kreis von etwa 50 engen Unterstützer*innen und Gremienmitgliedern der Palm-Stiftung e.V. wird an der Veranstaltung online teilnehmen. Mit-Gastgeber und Oberbügermeister der Stadt Schorndorf, Matthias Klopfer, wird für sein Grußwort ebenso live zugeschaltet sein, wie die beiden Laudator*innen. Monika Bolliger, langjährige Nahost-Korrespondentin der Neuen Züricher Zeitung, Arabistin und gute Freundin von Preisträgerin Bushra Al-Maktari, schaltet sich aus der Schweiz zu. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und langjähriger Begleiter der Kampagne für die Freilassung von Preisträger Gui Minhai, wird seine Laudatio von Frankfurt aus halten. Vor Ort in der Künkelin-Halle befinden sich nur je ein Mitglied von Vorstand und Kuratorium der Palm-Stiftung e.V. - und zwei Gitarristen, deren eigens einstudierte Version des Lieds "Die Gedanken sind frei" der Veranstaltung bei aller Abstraktheit einen realen und festlichen Rahmen verleihen soll.

Auch die diesjährigen Preisträger*innen werden erstmalig beide nicht persönlich in Schorndorf anwesend sein können. Schuld daran ist nicht nur Corona. Die persönliche Situation der zwei Ausgezeichneten ist in diesem Jahr eine noch größere Herausforderung als sonst.

Bushra Al-Maktari, Aktivistin, Journalistin und Buchautorin aus dem Jemen ist seit 1998 publizistisch tätig. Seit dem Ausbruch des Krieges im Jemen im Jahr 2015 hat sie über 400 Einzelschicksale akribisch dokumentiert. In ihrem auch auf Deutsch erhältlichen Buch "Was hast du hinter dir gelassen?" berichtet sie über den mörderischen Alltag in einem völlig zerstörten und international isolierten Land. Sie setzt sich damit erheblichen persönlichen Risiken aus, da sie sich jeder Parteizugehörigkeit verweigert und zahllose Verbrechen an der Zivilbevölkerung beschreibt. "Ihr erschütterndes Werk ist ein Akt des Widerstands gegen die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt", heißt es im Text der Preisurkunde.

Der Jemen ist seit Monaten so gut wie abgeriegelt; eine Ausreise der Preisträgerin war nicht organisierbar. Bushra Al-Maktari wird wegen fehlender technischer Voraussetzungen und wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes eine vorab aufgezeichnete Grußbotschaft an die Gäste der Preisverleihung senden.

Gui Minhai, Autor, Buchhändler und Verleger aus China erhält den Preis für seine mutige Kritik an den Auswüchsen des autokratischen Einparteiensystems der Volksrepublik China. Den Preis, den er dafür zu zahlen hat, ist hoch: Bereits im Jahr 2015 ist er gemeinsam mit einigen Kollegen aus Hongkong entführt und massiv unter Druck gesetzt worden. Als er 2018 versuchte, für eine ärztliche Behandlung in die schwedische Botschaft in Peking zu gelangen (Gui Minhai besitzt die schwedische Staatsbürgerschaft), verhaftete ihn die chinesische Staatssicherheit erneut. Im Februar 2020 verurteilte ihn ein chinesisches Gericht wegen des angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen zu zehn Jahren Haft. Seither befindet er sich an einem unbekannten Ort. Gui Minhai steht in einer frappierenden Traditionslinie mit dem Namens- und Ideengeber des Preises: "Wie der historische Buchhändler und Verleger Johann Philipp Palm gibt auch er ein herausragendes Beispiel für den Kampf um das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung," so das Kuratorium der Palm-Stiftung e.V. in seiner Begründung.

Seine Tochter, Angela Gui, engagiert sich seither für seine Freilassung. Sie wird dem Festakt per Videochat live zugeschaltet sein.

Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, wird auf der Homepage der Palm-Stiftung e.V. ein Zusammenschnitt der Online-Preisvergabe zum Nachvollzug zur Verfügung stehen.

Ganz real und nicht nur virtuell erhalten die Preisträger*innen das ihnen zustehende Preisgeld wie immer am Montag nach dem Festakt. Der Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit ist mit insgesamt 20.000 € dotiert. Er steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Herrn Winfried Kretschmann. Mit dem Preis werden in jedem geraden Jahr Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

Das Kuratorium der Palm-Stiftung e.V., hat seine Wahl am 16. Mai 2020 getroffen. Es konnte dabei unter anderem auf Vorschläge von Kooperationspartnern wie Amnesty International, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Journalisten helfen Journalisten und Reporter ohne Grenzen zurückgreifen. Namensgeber des Preises ist der in Schorndorf geborene Buchhändler Johann Philipp Palm (1766-1806). Er war wegen der Herausgabe und des Verkaufs einer napoleonkritischen Flugschrift in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt und erschossen worden. Die Palm-Stiftung e.V. feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen. Der Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit wird in diesem Jahr zum 10. Mal verliehen.

 

Bushra Al-Maktari, Aktivistin, Journalistin und Buchautorin aus dem Jemen:

 

Gui Minhai, Schriftsteller, Buchhändler und Verleger aus China:

 

Pressemeldung herausgegeben von der Palm-Stiftung e.V. zum 6.12.2020

 

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