Palm-Stiftung

PALM-STIFTUNG

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Dankesworte von Dr. Alaa Al-Aswani, Autor und Publizist aus Ägypten

Seit über einem Vierteljahrhundert übe ich zwei Berufe aus: Schriftsteller und Arzt. Durch meine Erfahrung habe ich gelernt, dass Schriftsteller zu sein schwieriger ist als jeder andere Beruf. Schriftsteller zu sein bedeutet, dass man keinen Augenblick aufhört daran zu denken, wie ein Roman oder eine Geschichte verbessert werden könnte. Schriftsteller zu sein bedeutet, immer bei den Menschen zu sein, ihnen zuzuhören und zu versuchen, ihre zu beschreibenden Gefühle und Gedanken zu verstehen. Schriftsteller zu sein bedeutet, ständig in einer Art Training zu sein, in dem man versucht, seine Gedanken besser zu formulieren, in präziseren Worten auszudrücken, so dass keine Abweichung in der beabsichtigten Bedeutung entsteht. Schriftsteller zu sein bedeutet, dass man sich in seinem Büro einschließt und stunden-, wochen- und jahrelang arbeitet, während die anderen draußen ihr Leben genießen. 

Es ist unmöglich, das Leiden des Schreibens zu ertragen, wenn man es nicht mehr als alles andere in seinem Leben liebt. Ich frage mich häufig, welchen Lohn mir das Schreiben bereithalten könnte. Ist Geld der Lohn? Ich glaube nicht…, denn wenn man die Mühe und Arbeit, die man beim Schreiben aufbringt, in einen anderen Beruf investieren würde, könnte man weitaus mehr Geld verdienen. Ist Berühmtheit der Lohn? Eigentlich ist Ruhm kein Wert, nach dem ein Schriftsteller strebt. Berühmt sein bedeutet, dass einen Menschen, die man selber nicht kennt, erkennen, wenn man einen Platz betritt. Was hat das für einen Wert?! Wenn man zusätzlich bedenkt, dass viele berühmte Persönlichkeiten nichts Wertvolles für die Menschheit getan haben, wird uns klar, dass Ruhm niemals der Lohn des Schreibens sein kann. 

Der Lohn des Schreibens ist die Wertschätzung, … Dass man als Schriftsteller merkt, dass alles, was man zum Ausdruck bringen wollte, bei den Lesern angekommen ist, und dass es von den Leser vollkommen verarbeitet werden kann… Dass es vielleicht sogar ihre Sichtweise auf die Welt geändert hat, wenn auch nur ein kleines bisschen. Der Lohn des Schreibens ist die Verteidigung der menschlichen Werte: des Rechts, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Dass man Leser davon überzeugt, dass wir uns zwar durch unsere Religion, unsere Nationalität oder unsere Hautfarbe unterscheiden … wir am Ende aber alle Menschen sind – wir die gleichen menschlichen Gefühle teilen – wir danach streben, ein sicheres und gutes Leben zu führen, für uns und für unsere Kinder – wir gleichermaßen Gewalt, Hass, Rassismus, Ungerechtigkeit, religiöse Intoleranz, Unterdrückung und alles, was die Freiheit des Menschen einschränkt und seine Menschlichkeit entwürdigt, verabscheuen.  

Ich erlebe im Augenblick einen der glücklichsten Momente meines Lebens, weil der Gewinn dieses Preises und Ihr herzliches Willkommen, die größte Wertschätzung ist, die sich ein Schriftsteller wünschen kann. Ich finde nicht genug Worte, um zu beschreiben, wie sehr ich Ihnen für Ihre Anerkennung danke. Ich danke dem Kuratorium der Stiftung, das mich mit seiner Nominierung und Wahl ehrt; und ich danke allen Anwesenden, die mir mit ihrem Erscheinen die Ehre erweisen.

Aus dem ägyptischen Original von Mohamed Gado, Stuttgart