Palm-Stiftung

PALM-STIFTUNG

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Schorndorf
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Familie Palm in Schorndorf: Apotheker, Unternehmer, Bauherren

375 Jahre Dr. Palm'sche Apotheke am Marktplatz

Wohn- und Geschäftshaus Dr. Palm'sche Apotheke
Marktplatz 2
73614 Schorndorf

  • um 1570: Ansiedlung der Familie Palm in Schorndorf.
  • 1633: Das Gesellenzeugnis für den "redlichen, ehrlichen und fleißigen" Johann Philipp Palm ist der älteste Nachweis über einen Apotheker Palm in Schorndorf.
  • Am 24. August 1844 erwirbt der Schorndorfer Bürger und Apotheker Johann Philipp Palm (1607 – 1665) für rund 600 Gulden die im 30jährigen Krieg bis auf die Grundmauern „so anitzo abgebrannte Hofstadt“ von Frau Anna Rosine Gomerin, geb. Hirschmann am Schorndorfer Marktplatz. In dem Haus an der Ecke Marktplatz/ Johann-Philipp-Palm-Straße hat zuvor Bürgermeister Christoph Heininger gewohnt. Die Jahreszahl 1533 an einer Konsole im Erdgeschoss im Südwesten des Hauses ist ein Hinweis auf die Bauzeit des Vorgängerhauses in der Frührenaissance. Das steinerne Erdgeschoss hat vermutlich in Teilen den verheerenden Stadtbrand im 30jährigen Krieg überstanden haben.
  • Am 15.Oktober 1646 erwirbt Palm für 45 Gulden auch das Nachbargrundstück, die sog.  „Hintere Behausung, vorne an den Markt und hinten an die Gasse stossend“ samt Keller von dem geistlichen Verwalter Hans Georg Kappeler.    
  • In den Jahren 1646 - 55 verkauft Palm insgesamt drei Weinberge, um das Kapital für den Hausbau aufzubringen. Zuerst entsteht der Neubau auf dem Gomer´schen Grundstück. Allein die Größe des Hauses, sowie das überaus reich verzierte Fachwerk und der figürliche Schmuck der Balken werden einige Mittel verschlungen haben. Später baut er noch ein zweites, zunächst separat stehendes Gebäude. Nach der Fertigstellung des Haupthauses verlegt die Familie ihre Wohn- und Geschäftsräume dorthin.
  • 1696: Jakob Christoph Palm verbindet die beiden ursprünglich getrennten Gebäude. Am Giebel des Zwerchhauses prangen die Initialen des Bauherren Palm, seiner Ehefrau und ihres Baumeisters.
  • 1735: Auch die Erdgeschossräume werden verbunden und die Apothekenräume vergrößert. Der Schlussstein über dem gemeinsamen Eingang trägt die Jahreszahl, die Initialen des Bauherrn Johann Philipp Palm und den Wahlspruch der Familie.
  • um 1800: Der Apotheker und Bürgermeister Philipp Friedrich Palm verblendet das Fachwerk mit schlichtem Putz.
  • 1896: Der Apotheker und Gemeinderat Theodor Friedrich Palm lässt die Hausfassade mit Bildnissen bedeutender Schorndorfer und Persönlichkeiten aus Medizin und Pharmazie verzieren.
  • 1931 - 33: Der Apotheker Dr. phil. Johann Philipp Palm legt das historische Fachwerk wieder frei. Zur vermeintlichen Stabilisierung des Gebäudes lässt er wenig später im Erdgeschoss Stahlträger einziehen. Doch die Berechnungen des Architekten I.C. Rösler erweisen sich als trügerisch.
  • 1951: Erneut werden Renovierungsarbeiten notwendig. Die Eheleute Dr. Maria und Philipp Palm entscheiden sich, zusätzlich zu den Arbeiten an der Hausfassade auch umfassende innenarchitektonische Änderungen vorzunehmen. Durch das Versetzen von Wänden entsteht ein großflächiger, moderner Verkaufsraum.
  • 1975 - 79: Die Statik des Hauses ist durch die zahlreichen Eingriffe völlig aus den Fugen geraten. Tiefe Risse klaffen im Inneren auf und ziehen sich durch alle Stockwerke. Das Haus ist unbewohnbar geworden. Statische Messungen mit modernen Methoden befördern einen jahrhundertealten Irrtum zutage: Das Haus steht nicht, wie bisher angenommen, auf den meterdicken Mauern des Vorgängerhauses. Es ruht auf losem Schüttgut, das durch die Last des Hauses mit der Zeit immer weiter nach außen gedrückt worden ist. Die Grundmauern drohen an dieser Spreizung zu zerbersten. Es entbrennt ein zum Teil erbittert in der Öffentlichkeit ausgetragener Streit: Soll die Originalsubstanz, wenngleich marode, um jeden Preis erhalten werden oder gibt es die Möglichkeit des angemessenen Teilerhalts zugunsten einer zeitgemäßen Nutzbarkeit?
  • Das Apotheker- und Unternehmerpaar Dr. med. Maria und Johann Philipp Palm lässt schließlich in einem finanziellen und emotionalen Kraftakt das gesamte Gebäude ab- und wieder aufbauen. Das denkmalgeschützte Fachwerk wird restauriert und originalgetreu in eine Stahlbetonkonstruktion eingebracht.
  • 2008: Das Wohn- und Geschäftshaus geht in die denkmalpflegerische Obhut der Palm-Stiftung e.V. über.
  • 2019: 375 Jahre am Marktplatz sind ein Bekenntnis zur Apothekentradition des Hauses Palm und zu Schorndorf. Unter dem historischen Dach sind nach wie vor Pharmazie und Medizin zu Hause. Sie dienen - orientiert an modernsten Erkenntnissen und Anforderungen der Branche - stets dem Wohl ratsuchender Menschen. 

 

 Dr. Palm´sche Apotheke

 Hausgeschichte: 375 Jahre am Schorndorfer Marktplatz

 Hörfassung Hausgeschichte: 375 Jahre am Schorndorfer Marktplatz

Hausgeschichte in Bildern

Alle Fotos, soweit nicht anders gekennzeichnet,  Familien- und Unternehmensarchiv Palm 

  • 1633, der erste Apotheker Johann Philipp Palm

  • 1696, Fachwerkdetail, Initialen der Baumeister

  • 1735, Schlussstein mit Wahlspruch der Familie Palm

  • Fassadendetail, Konsole aus farbigem Holz

    © Oscar 0711 Neidkopf Marktplatz 2 Schorndorf (2).jpg vom 11.9.2016. CC BY-SA 4.0. commons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=51693978.

  • Fassadendetail, Neidkopf

    © Oscar 0711 Neidkopf Marktplatz 2 Schorndorf (5).jpg vom 11.9.2016. CC BY-SA 4.0. commons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=51693981.

  • Fassadendetail, Eckkonsole aus Sandstein

  • ca. 1800, Eingangstüre

  • ca. 1800, Hausansicht mit verputzter Fassade

  • 1896, Hausansicht mit Fresken

  • 1906, Ansichtskarte Braunau-Schorndorf zum 100. Todestag des Buchhändlers Palm

  • ca. 1920, Briefkopf bzw. Rechnungsbogen

  • 1931, Hausansicht mit Gerüst zur Freilegung des Fachwerks

  • ca. 1933, Apotheker Dr. Philipp Palm (li.) in der Officin

  • 1933, Wiedereröffnung der Dr. Palm´schen Apotheke nach der Freilegung des Fachwerks

  • 1935, Apotheker Dr. Philipp Palm (re.) und Architekt I.C. Rösler

  • 1935, die verhängnisvolle "Stabilisierung" durch Stahlträger

  • 1953, Dr. Maria (li.) und Philipp Palm in der neuen Officin

  • Historische Reagenzien zur Herstellung von Medikamenten

  • Historische Apothekengefäße zur Aufbewahrung von Medikamenten

  • ca. 1960, Hausansicht mit Fachwerk

  • 1975, Ab- und Wiederaufbau des historischen Fachwerks

  • 1975, Überreste der Tür- und Fensterbögen

  • 1975, sorgfältiger Abtransport der historischen Fachwerkelemente

  • 1975, Bauherr Philipp Palm in seinem "Wohnzimmer"

  • 1979, Officin der neu eröffneten Apotheke

  • 1979, Gedenktafel für den ermordeten Buchhändler Johann Philipp Palm (1706-1866)

  • 2019, aktuelle Hausansicht