Palm-Stiftung

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Salidjon Abdurakhmanov, Journalist aus Usbekistan, Preisträger 2014

Endlich frei - und voller Tatendrang

 

"Nun ist es endlich soweit: ich kann Ihnen erfreulicherweise mitteilen, dass sich alle Mühen gelohnt haben und ich soeben das Preisgeld an Salidjon auszahlen konnte! Man hat ihm angemerkt, wie glücklich und erleichtert er war, das Preisgeld endlich in Empfang nehmen zu können. Schön, dass er nun endlich seine gesundheitlichen Behandlungen finanzieren kann und ein Startkapital für weitere journalistische Tätigkeiten hat.

David Genzel vom Referat für Wirtschaft und entwicklungspolitische Zusammenarbeit der deutschen Botschaft in Taschkent ist sichtlich erleichtert: Nach monatelangem Ringen mit Banken, dem Auswärtigen Amt und Vorschriften zur Verhinderung von Geldwäsche im internationalen Devisenverkehr konnte Salidjon Abdurakhmanov ENDLICH das ihm zustehende Preisgeld in Höhe von 10.000 € entgegennehmen.

Salidjon war wegen einer fingierten Anklage wegen angeblichen Drogenbesitzes im Jahr 2006 zu 10 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Seine Auszeichnung mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit im Jahr 2014 konnte er nur aus der Ferne mit verfolgen. Seine Frau und sein Sohn konnten ihm bei einem ihrer seltenen Besuche die erfreuliche Nachricht erst Monate später überbringen. Ein befreundeter Journalist im schwedischen Exil hatte ihn beim Festakt in Schorndorf vertreten.

Im Oktober 2017 überraschte uns plötzlich die Nachricht , Salidjon sei wenige Monate vor Verbüßung seiner Haftstrafe überraschend freigelassen worden. Was zunächst Grund zur Freude bot, war allerdings einer ernüchternden Tatsache geschuldet. Salidjon war seit langem schwer krank. Zahlreiche Aufenthalte im Gefängnislazarett und sogar eine Not-OP in Taschkent hatten keine Verbesserung gebracht. Die Vermutung liegt nahe, dass die usbekische Regierung den Regimekritiker deshalb ohne weitere Angabe von Gründen unvermittelt freiließ, damit die Statistik der Todesfälle in Haft nicht über die Maßen strapaziert wird...

Was für ein Glück im Unglück! Dank des Preisgeldes der Palm-Stiftung e.V. konnte er sich im Frühjahr 2018 mehreren Operationen unterziehen und sieht nun ganz und gar positiv in die Zukunft: Er ist wieder journalistisch in seiner Heimatregion Karalkapakstan und für das online-Nachrichtenjournal "centre1" tätig und schreibt ein Buch über seinen Aufenthalt in Haft. 

"Die Stunde der Wahrheit ist in meinem Land angebrochen. Der Palm-Preis verpflichtet mich, mit doppelter Kraft zu arbeiten. Dabei stärkt mich die Überzeugung, dass der Schein des Lichts, das Johann Phillip Palm um den Preis seines Lebens entzündet hat, auch künftig den Weg des Kampfes für Meinungs- und Pressefreiheit von Millionen Menschen nicht nur in meinem Usbekistan, sondern auf der ganzen Welt, beleuchten wird," schreibt Salidjon Abdurakhmanov in seiner - nachgereichten - Dankesrede, die uns im Dezember 2018 erreichte.

Diesem Versprechen getreu, bringt er schon wieder die Kraft auf, sich für seine verfolgte Kollegin Galima Bukharbaeva einzusetzen. Die beiden usbekischen Journalisten sind seit Jahren eng befreundet. Galima lebte zeitweilig in Berlin, wo sie das unabhängige Nachrichtenportal "uznews" betrieb. Selbst im vermeintlich sicheren deutschen Exil war sie mehrfach Opfer von Hackerangriffen und Morddrohungen geworden. Beim Festakt zur Verleihung des Palm-Preises an Salidjon hatte sie eine bewegende Laudatio gehalten und war unsere Verbindung zu Salidjons Familie. Heute ist sie einer der führenden Köpfe hinter dem Nachrichtenportal "centre1". Beim Versuch, in ihre Heimat zurück zu kehren, wurde ihr 2017 der usbekische Pass entzogen. Seither sitzt sie mit ihrem kleinen Sohn im Nachbarland Kasachstan fest.

 

 Nachrichtenmagazin centre1.com (russisch)

 Salidjons Dankesrede vom Dezember 2018 nach seiner Haftentlassung

 

Wir danken allen Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Taschkent, dass sie die Auszahlung des lange auf unserem Treuhandkonto verwahrten Preisgeldes endlich möglich gemacht haben. Wir danken außerdem Staatsminister a.D. Gernot Erler, hervorragender Kenner der Menschenrechtssituation in Zentralasien, für seine mehr als tatkräftige Unterstützung bei dem Prozedere.