Palm-Stiftung unterstützt Warc-en-Ciel: Bildung und Kultur in Burkina Faso

Bildung, Kreativität und biologische Landwirtschaft sind weitere Förderprojekte, die TAM in Burkina Faso umsetzt.
FOTO: Warc-en-Ciel Systeme Prod
 Musik und Informatik – in mehreren Projekten bildet der Verein TAM Kinder und Jugendliche aus. (FOTO: Warc-en-Ciel Systeme Prod)
Erfahrungsstunden im Schul-Biogarten, Burkina Faso
Musiker und Macher: Ezéchial Nikiema.

Wenn im kulturellen Zentrum „La Cour Warc-en-Ciel“ in der Hauptstadt Burkina Fasos Workshops stattfinden oder Musik aus den Hinterhöfen klingt, kommen Menschen aus dem Viertel zusammen. Künstlerinnen und Künstler treffen hier auf Kinder und Jugendliche – an einem Ort des offenen Austauschs, der Raum für Bildung und Kreativität bietet. Dass es dieses Zentrum und zahlreiche weitere Projekte gibt, ist auch der Unterstützung aus Deutschland zu verdanken: Die Schorndorfer Palm-Stiftung unterstützt den Verein TAM über drei Jahre mit insgesamt 60.000 Euro.

Brücke zwischen Schorndorf und Ouagadougou

Initiiert werden die TAM-Projekte von Musiker und Künstler Ezéchial Nikiema (34), der aus Burkina Faso stammt und heute in Dresden lebt. Nikiema ist Mitgründer und Vorsitzender des Vereins, studierter Germanist und promoviert derzeit. Vor allem aber ist er Brückenbauer zwischen Deutschland und dem Land nahe der afrikanischen Sahelzone.

„Ich bin hier aufgewachsen und habe als Kind erlebt, was es heißt, keinen verlässlichen Zugang zu Bildung zu haben“, sagt Nikiema.

Diese Erfahrung habe ihn geprägt und früh den Wunsch entstehen lassen, eigene Bildungs- und Kulturprojekte auf den Weg zu bringen.

Wie Palm-Stiftung und TAM zusammenpassen

Was als künstlerische Initiative begann, ist heute ein breit aufgestellter Verein. Vor Ort setzt die Projekte APECA (Verein zur Förderung von Bildung, Kultur und Kunst-Handwerk) um; der lokale Partnerverein ist tief in den Gemeinden verankert. Nikiema begleitet die Arbeit aus Deutschland und vor Ort gleichermaßen – organisatorisch und konzeptionell. Er beschreibt sich als jemand, der Kultur nicht nur als Ausdrucksform, sondern als Werkzeug versteht, um gesellschaftliche Prozesse anzustoßen.

Der Kontakt zur Palm-Stiftung entstand über Sven Müller-Röske  von der Firma Bauwerk Müller-Röske, der TAM bereits seit 2021 unterstützt. Der Dresdner Unternehmer machte den Vorsitzenden des Stiftungsrates Prof. Dr. Ulrich Palm auf die Arbeit aufmerksam. Was überzeugte, war das klare Profil der Projekte: Bildung und Teilhabe stehen im Zentrum – Werte, die sich mit den Stiftungszielen decken. Es ist eine bewusste Ausnahme für die Palm-Stiftung, die ansonsten stark lokal in und um Schorndorf engagiert ist.

Musik, Handwerk und Selbstermächtigung

Die Schwerpunkte von TAM liegen auf Bildung, Musik, Kunsthandwerk, Umwelt und Female Power. Statt klassischer Einzelpatenschaften setzt der Verein auf sogenannte Schulfreundschaften: Gefördert werden ganze Gruppen und Programme. „Wir unterstützen nicht ein einzelnes Kind, sondern ein Projekt, das vielen zugutekommt – das reduziert Bürokratie und stärkt Gemeinschaft“, so Nikiema.

Zentrales Element ist das Stipendienprogramm, das 2024 neu ausgerichtet wurde. 77 Kinder und Jugendliche werden aktuell begleitet – mit Schulgeldern, Materialien, Nachhilfe und bei Bedarf auch Gesundheitsleistungen.

Ergänzt wird das durch Angebote wie Informatikunterricht, Theaterarbeit oder musikalische Förderung, die Lücken des staatlichen Schulsystems schließen sollen. Nikiema betont, dass gerade diese Zusatzangebote oft entscheidend für die Kinder und Jugendlichen seien, um Selbstvertrauen und Perspektiven zu entwickeln.

La Cour Warc-en-Ciel: Kultur mitten im Viertel

Ein wichtiger Standort im Projekt ist das kulturelle Zentrum „La Cour Warc-en-Ciel“ in Ouagadougou. Hier können Kinder und Erwachsene aus der Nachbarschaft ebenso wie Künstlerinnen und Künstler der Stadt Proberäume, ein Foto- und Filmstudio, Workshops, Musikunterricht sowie Konzerte und Theaterbühnen nutzen. Monatlich finden Kulturabende statt, die mehrere tausend Menschen erreichen – vor Ort und über Livestreams.

Handwerk, Umwelt und Gemeinschaft

„Musik, Märchen und Theater sind Kanäle, über die wir sehr viele Menschen zu sensiblen Themen ansprechen können“, sagt Nikiema. Dazu zählen Fragen der sexuellen Selbstbestimmung, Menstruationsgesundheit, Friedensarbeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Gerade junge Frauen stehen dabei im Fokus. In Workshops wird etwa vermittelt, wie mit einfachen Mitteln wiederverwendbare Binden hergestellt werden können.

Neben Bildung und Kultur spielt die berufliche Qualifizierung eine große Rolle. Gefragt ist die Ausbildung für Schneiderinnen und Schneider, die an sechs Tagen pro Woche stattfindet. Zwei Gruppen werden derzeit ausgebildet. Die Teilnehmenden zahlen einen kleinen Eigenbeitrag – bewusst, um Wertschätzung und Verbindlichkeit zu fördern.

Hinzu kommt ein Bio-Gemeinschaftsgarten, der von den Dorfbewohnenden gemeinsam bewirtschaftet werden soll. Er soll der Ernährungssicherung dienen und wird für den Wissenstransfer sorgen, hin zu nachhaltiger Landwirtschaft und ökologischen Anbaumethoden.

Arbeiten unter schwierigen Bedingungen

All das geschieht unter politisch schwierigen Rahmenbedingungen: Burkina Faso wird derzeit von einer Militärregierung geführt, die nach mehreren Putschen an der Macht ist, während Sicherheitslage und wirtschaftliche Situation angespannt bleiben.

Gerade deshalb, sagt Nikiema, sei die Arbeit auf lokaler Ebene so wichtig. „Wir können die großen politischen Themen nicht lösen, aber wir können Räume schaffen, in denen Menschen lernen, sich ausdrücken und füreinander Verantwortung übernehmen.“

Das Projekt

TAM steht metaphorisch für positive Energie, „Machen“, Spaß und Präzision, abgeleitet von einem von Ezé Wendtoin geprägten Konzert-Ausspruch. Mehr Infos über TAM.